Dokumentation von Hinweisen auf Wildtierarten anhand ihrer Spuren und Zeichen

Verfasst von: Stefanie Argow, Fährtenleserin

Für die Nutzung von gefundenen Spuren und Zeichen in wissenschaftlichen Projekten ist die ausführliche Dokumentation des Fundes sehr wichtig. Dazu müssen Sie nicht wissen, von welchem Tier die Spur oder das Zeichen stammt. Wenn Sie sich an ein paar Vorgaben halten, kann es mit Hilfe der Dokumentation möglich sein, eine „Ferndiagnose“ Ihres Fundes durchzuführen. Der folgende Text soll Ihnen dabei helfen. Auch wenn Ihre Dokumentation nicht perfekt ist, sind ihre Meldungen trotzdem enorm hilfreich für unsere Projekte. Also nur Mut!

Zum Mitnehmen von Funden
Außerdem ist es wichtig zu erwähnen, dass Funde, auch wenn sie transportabel sind, nicht mitgenommen werden dürfen. Zum einen ist es verboten und zum anderen sind diese „Überbleibsel“ oft wichtig für die Tiere: Zum Beispiel nutzen Nagetiere wie z.B. Mäuse Kalk und Phosphor der Knochen und Geweihstangen als Nahrungsquelle.

Generelles zu Fotos
Eine nutzbare Dokumentation besteht aus einem kurzen beschreibenden Text und mehreren Fotos.
Damit Ihr Fund allein anhand Ihrer Dokumentation beurteilt werden kann, ist es wichtig, folgende Punkte bei der Fotoaufnahme immer im Kopf zu haben:

• Position/ Winkel
Beachten Sie, dass auf Fotos die Dreidimensionalität schwer erkennbar ist.
- FuĂźabdrĂĽcke gerade (!) von oben fotografieren
- Zeichen (also keine Fußabdrücke, sondern z.B. einen Schädel oder Haarbüschel) von allen möglichen Seiten fotografieren
• Distanz
Es gilt der Grundsatz „So nah wie möglich, aber alles muss drauf“.
Wenn Sie sich nicht sicher sind, was z.B. bei einem Trittsiegel zum Fuß gehört und was nicht (z.B. ein weit abliegender Fersenballen eines Dachses), wählen Sie bitte einen größeren Bildausschnitt.
• Licht
Es besteht sowohl die Gefahr der Ăśberbelichtung als auch, dass das Foto zu dunkel ist. Deshalb und weil verschiedenes Licht verschiedene Details frei legt, ist es sinnvoll, mehrere Fotos unter verschiedenen Lichtbedingungen aufzunehmen:
- Bei Sonne: 1x Foto von gleichmäßig beschatteter Spur (am besten mit eigenem Körper beschatten), 1x Foto von unbeschatteter Spur
- Bei schlechten Lichtverhältnissen: 1x Foto mit Blitz, 1x Foto ohne Blitz
• Kontrolle
Es versteht sich von selbst, dass z.B. ein verschwommenes Bild unbrauchbar ist. Kontrollieren Sie die Qualität Ihrer Fotos bevor Sie weiter gehen und den Ort verlassen.
• Relation
Es ist ohne eine Art von Maßstab nicht möglich, die Größe des Fundes auf Fotos einzuschätzen. Ein Zollstock, eine Münze oder ein anderer genormter Gegenstand ist ein MUSS für jede Dokumentation.
Falls Sie einen Zollstock verwenden, achten Sie bitte darauf, dass dieser nicht reflektiert.

Merksatz: Perfektes Dokumentieren lüftet kleine Rätsel!

Besonderheiten „Einzelnes Trittsiegel (Fußabdruck)“

Manchmal findet man in einer SchlammpfĂĽtze nur einen einzigen FuĂźabdruck, ein so genanntes Trittsiegel.

Fotos
Achten Sie bitte auf die unter „Generelles zu Fotos“ genannten Punkte!

Wichtigkeit des Punktes der Position: Fotografieren Sie bitte das Trittsiegel direkt gerade von oben! Es ist kaum möglich, die Fußmorphologie (Fußaufbau) zu erkennen, wenn das Foto nicht direkt von oben sondern ein wenig schräg gemacht wurde.

  

Foto: „gerade von oben mit Sonne“/ Foto: „gerade von oben Schatten“/Foto: Aufnahme von schräg oben

Text
Wichtig ist ebenso ein kurzer beschreibender Text mit Informationen, welche aus dem Foto nicht ersichtlich werden.
• Wo haben Sie die Spur gefunden? Ortsangabe (auszufüllen im Formular) und kurze Beschreibung der Umgebung (z.B. „Kiefernwald mit ausschließlich flachem Moosboden, keine Sträucher oder Gras“ oder „Wiesenlandschaft an Hecke“ etc.)
• Haben Sie weitere Hinweise wie z.B. Losung (Kot), Geruch etc. entdecken können?
• Wetter (z.B. wann war der letzte Regen), Uhrzeit und was Ihnen noch auffällt.

Beispiel Text
Datum: 26.06.2018
Uhrzeit: 10 Uhr
Koordinaten: (im Formular auszufĂĽllen)
Habitat/ Umgebung: auf Feldweg in Agrarlandschaft mit Grenzhecken
Wetter: 27° C im Schatten, Trittsiegel lag in der Sonne; letzter Regen am 20.06.2018

Besonderheiten „Fährte“ (mehrere Trittsiegel)

Oft findet man mehrere zusammenhängende Trittsiegel (besonders im Schnee oder im Sand). Diese nennt man dann eine Fährte. Aber nicht nur Trittsiegel sondern auch andere Hinweise wie z.B. ein oft genutzter Wasserausstieg eines Bibers nennt man Fährte.

Fotos
Dokumentieren Sie mehrere (!) einzelne Trittsiegel wie oben beschrieben.
Wenn Sie wissen, welches ein linker HinterfuĂź und welches ein rechter VorderfuĂź ist, versuchen Sie verschiedene FĂĽĂźe zu dokumentieren. Anhand mehrerer Einzeltrittsiegel wird eine Ferndiagnose erleichtert.
Fotografieren Sie zusätzlich ganze Spurengruppen mit Maßstab gerade von oben. Wenn die Fährte ein regelmäßiges Muster mit immer gleichem Abstand zwischen den einzelnen Trittsiegeln aufweist, versuchen Sie von oben mehrere Trittsiegel auf ein Foto zu bekommen. Wenn es einzelne Gruppen mit größeren Lücken dazwischen gibt, versuchen Sie mehrere einzelne Gruppen zu fotografieren.

Beispielfotos:

Foto: „Fährte – Beispiel Spurengruppe 1“/Foto: „Fährte – Beispiel Spurengruppe 2“

Es kann vorkommen, dass die Trittsiegel nicht gut sichtbar sind. Dies kann aufgrund der Lichtverhältnisse sein oder weil sie sich nur minimal auf dem Boden zeigen. In solchen Fällen ist eine seitliche Markierung sinnvoll. Dies können z.B. gut sichtbare Striche im Sand sein oder auch Stöckchen, größere Blätter etc.

Text
Zu dem wie bereits oben erwähnten Dokumentationstext sind bei einer Fährte zusätzliche Informationen hilfreich:
• Wie lang konnten Sie der Spur folgen bzw. haben Sie sie sehen können?
• Beschreibung des Verlaufs der Spur durch die Landschaft (z.B. „Fährte führte in einer geraden Linie für 2km den Waldweg entlang“ oder „Fährte verlief im Zick-Zack immer von rechts nach links über den Weg“)

Besonderheiten „Zeichen“

Aber auch andere Zeichen können auf eine Tierart hinweisen.
Dies können Kot, Urin, Federn, Haare, Schuppen, Knochen insb. Schädel, Eier, Baue, Nester, Höhlen, Fraßspuren und vieles mehr sein.

Für die Fotodokumentation gelten die generellen Anforderungen (unter „Generelles zu Fotos“, siehe oben).
Wichtig ist hier, dass die Funde, falls möglich, von mehreren Seiten fotografiert werden sollten.

 
Fotos: Beispielfotos Schädelfotografien

Text:
Auch hier ist ein zusätzlicher Text für die Dokumentation sinnvoll. Notieren Sie hierfür bitte die Umgebung/das Habitat, eventuelle Gerüche und was Ihnen noch aufgefallen ist.

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